Widerstandskämpfer, der als einziger Häftling in Auschwitz heiraten durfte und zu dessen Ehren die im Jahre 2004 im Stadtentwicklungsgebiet Monte Laa neu angelegte Rudolf-Friemel-Gasse benannt wurde.

Das Leben Rudolf Friemel´s | Gedenken | Die Hochzeit von Auschwitz

 

Das Leben Rudolf Friemel´s

Der Widerstandskämpfer Rudolf Friemel, ein gelernter Automechaniker, wird am 11. Mai 1907 in Wien geboren. Er stößt bereits früh zu den Kinderfreunden, schließt sich später der Sozialistischen Arbeiterjugend an und tritt im Jahre 1925 der Gewerkschaft bei. Der überzeugte Sozialist wird im Jahre 1926 auch Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) und tritt auch dem republikanischen Schutzbund bei.

Nach den Februarkämpfen im Jahre 1934 flüchtet Rudolf Friemel in die Tschechoslowakische Republik (heutige Tschechoslowakei), kehrt aber bereits kurze Zeit später zurück und wird im Juli 1934 festgenommen. Rudolf Friemel wird wegen seiner Teilnahme am Aufstand zwar am 8. Oktober 1935 zu sieben Jahren Haft verurteilt, wird jedoch bald darauf begnadigt.

Ab März 1937 kämpft er im spanischen Bürgerkrieg in der Freiwilligenarmee der „Internationalen Brigaden“ auf der Seite der spanischen Republik gegen die Errichtung einer faschistischen Diktatur durch Franco, wo er einer der führenden Vertreter der revolutionären Sozialisten ist. In Spanien lernt Rudolf Friemel zudem die zehn Jahre jüngere Margarita Ferrer kennen und lieben. Mittels Fernkorrespondenz erreicht Friemel die Scheidung von seiner Frau Pauline Fucka in Österreich.

Nach der Niederlage Spaniens flüchten er und Margarita nach Frankreich, wo am 26.4.1941 auch ihr gemeinsamer Sohn Edouard zur Welt kommt. Nach der Besetzung Frankreichs wird Rudolf Friemel entsprechend seinem Rückführungsantrag schließlich am 31. Juli 1941 den deutschen Behörden übergeben und bereits am 2. Jänner 1942 in Auschwitz inhaftiert. Margarita schlägt sich mit Edourd in Deutschland durch und erreicht schließlich, dass sie zu Schwiegervater Clemens Friemel nach Wien ziehen kann.

Rudolf Friemel gehört auch in Auschwitz einer Widerstandsgruppe an und setzt sich zudem dafür ein, Margarita heiraten zu dürfen. Um seinen Antrag voranzutreiben gibt er vor, bereits in Spanien mit Margarita verheiratet gewesen zu sein, jedoch sei die Ehe nach Beendigung des Bürgerkrieges von der Regierung für ungültig erklärt worden.

Friemel´s Antrag wird schließlich stattgegeben. Über den Grund hierfür können nur Vermutungen angestellt werden, wahrscheinlich ist jedoch, dass die Nazis Auschwitz damit verharmlosen und den Antrag Friemel´s für deren Propagandazwecke nutzen wollten.

Da Rudolf Friemel Auschwitz nicht verlassen darf, wird Margarita, Sohn Edouard sowie Friemel´s Bruder und Vater der Zutritt für einen Tag und eine Nacht gewährt. Im Standesamt kommt es am 18. März 1944 um elf Uhr zur Trauung. In einem eigens geräumten Lagerbordell verbringen sie die Nacht, nach der Margarita Auschwitz wieder verlassen muss.

Wenige Monate später schlägt in Auschwitz ein Fluchtversuch fehl. Der Verdacht für dessen Organisation fällt unter anderem auch auf Rudolf Friemel, der zu diesem Zeitpunkt offenbar nicht einmal selbst flüchten wollte. Dennoch wird er am 30. Dezember 1944 vor 15000 Auschwitzhäftlingen, bekleidet mit seinem mit Rosen bestickten Hochzeitshemd, gemeinsam mit den österreichischen Mitgliedern der Widerstandsgruppe Ernst Burger und Ludwig Vesely sowie zwei polnischen Insassen am Appellplatz gehängt.

 

Gedenken

Nach Ende des zweiten Weltkrieges wird die in den Jahren 1929 bis 1931 erbaute Siedlung „Rasenstadt“ in der Neilreichgasse 100-106 in Wien Favoriten nach dem ebenfalls ermordeten Widerstandskämpfer Johann Mithlinger umbenannt. An ihn und zwölf weitere Widerstandskämpfer, darunter auch Rudolf Friemel, erinnert die am 4. August 1945 enthüllte Gedenktafel.

Im Jahre 2004 wird eine Gasse im neuen Stadtentwicklungsgebiet Monte Laa nach Rudolf Friemel benannt. Die Rudolf-Friemel-Gasse mündet sowohl in die Laaer-Berg-Straße als auch in die Emil-Fucik-Gasse und bildet die Hauptzufahrt zur Campusschule Monte Laa in der Rudolf-Friemel-Gasse 3-5.

 

Die Hochzeit von Auschwitz

Das Phänomen über die Hochzeit von Rudolf Friemel und Margarita Ferrer in Auschwitz fasziniert bis heute. Der österreichische Schriftsteller Erich Hackl beschäftigt sich ausführlich mit der Geschichte Rudolf Friemel´s in seinem Werk „Die Hochzeit von Auschwitz. Eine Begebenheit“, welches im Jahre 2002 im Diogenes Verlag erschien.

Ein einmaliges Erlebnis war dies vor allem auch für den Lagerfotografen Wilhelm Brasse, der das Hochzeitsfoto machte. Im Jahre 2009 gab er der süddeutschen Zeitung ein bewegendes Interview, in dem er auch über die damalige Ausnahmesituation sprach.

Bis der Laaer Berg zum Berg wurde, brauchte es viele viele Jahre. Besonders in den letzten paar Jahrhunderten ging es dort allerdings drunter und drüber – alte Aufzeichnungen berichten unter anderem von einem dichten Eichenmischwald als Jagdgebiet des Kaisers, der Heimat der Kiemenfußkrebse, der großen Abholzung im 18. und 19. Jahrhundert und der Aufforstung im 20. Jahrhundert, mit welcher das heute bekannte „Erholungsgebiet Laaer Wald“ entstanden ist.

Geologische Entwicklung | Laaer Wald | Krebse am Laaer Berg | Aufforstung und Nutzung als Freizeitraum | Großerholungsraum Laaer Berg

 

Geologische Entwicklung

Die Entstehung des Laaer Berges geht weit zurück. Es beginnt bei der Zeit des Pontischen Meeres, in welcher am Gebiet des heutigen Laaer Berges eine Sandbank entstand. Die „Urdonau“ sorgte für Schotterablagerungen. Die Hochfläche des Laaer Berges, die mit grobem Schotter bedeckt wurde, trägt Züge einer „pontnischen Heide“.

Die Osthänge wurden mit Löß (Windanwehungen) zugedeckt, der die Wärme warm hält und daher Rebenkulturen sehr zu Gute kommt. Somit eignete sich der Boden für den späteren Weinanbau.

Der pontnische Tegel wurde später in den Ziegelgruben abgebaut. Die Überreste dieser Abbauarbeiten sind zahlreiche Teiche, wie zum Beispiel der „Filmteich“, der „Blaue“, die „Figur“ etc.

An den Hängen des im Volksmund „Lochaberg“ genannten Laaer Berges fanden sich daher vor einiger Zeit noch weite Felder und Weingärten, zwischen denen sich immer wieder Ziegel- und Schottergruben auftaten. Die in den 60-er und 70-er Jahren des 19ten Jahrhunderts aufgetretene Reblaus vernichtete einen Großteil der Weinkulturen im sogenannten „Laaer Weingebirge“, die nicht mehr nachgesetzt wurden.

Der 256m über dem Meeresspiegel liegende Gipfel des Laaer Berges befindet sich nahe der Kreuzung Laaer-Berg-Straße / Bitterlichstraße und ist der höchste Punkt des Bezirks Favoriten. Damit ist der Laaer Berg rund zehn Meter höher als der Wienerberg und somit die höchste Erhebung im südöstlichen Wien.

 

Laaer Wald

Einst war der Laaer Berg voller Pflanzen und Tiere. Unter den Pflanzen der üppigen Vegetation fanden sich Amarant, Geißfuß, Steinschrötel, Hederich, Männertreu, Schlehdorn, Zwergweichsel, wilde Rosen und und und. Tiere wie Hamster, Wiesel, Rebhuhn, Feldlerche und Fasane waren keine Seltenheit.

Auf einer Karte aus dem Jahre 1788 ist der Laaer Wald als „Laacher Waldl“ verzeichnet. Der Eichenmischwald am Laaer Berg erstreckte sich einst bis zur heutigen Favoritenstraße und diente zu Beginn des 19. Jahrhunderts Kaiser Franz Joseph II. noch als Wildpark. Im Bereich des gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstehenden Böhmischen Praters findet sich ein Flaumeichenwald. Die Abholzung des Waldbestandes am Laaer Berg erfolgte im 18. und 19. Jahrhundert, dem ein Großteil der Bäume zum Opfer fiel. Das Holz wurde für Küchenherde und Öfen sowie die Erzeugung von Holzkohle verwendet. Ebenso benutzte man es als Bauholz für die umliegenden Wohngebiete und die Ziegeleien auf dem Wiener- und dem Laaer Berg.

Die letzten Reste der Bepflanzung wurden während des zweiten Weltkrieges zerstört, als Panzerwagen im Brachland des Laaer Berges getestet wurden und tiefe Furchen im Boden hinterließen. Im Jahre 1945 glich die Kuppe des Laaer Berges einer Wüste mit zwei Ziegelteichen.

 

Krebse am Laaer Berg

Ab dem Jahre 1855 wurde das Brachland auf dem Laaer Berg von den im Arsenal stationierten Truppen als Übungsgelände genutzt. Da man während des Krieges zwischen Österreich und Preußen im Jahr 1866 einen Angriff auf Wien befürchtete, errichtete das Militär in großer Eile Schanzen und Schutzgräben – auch am Laaer Berg. Als jedoch am 26.8.1866 der Friedensschluss von Prag erfolgte, wurden die Verteidigungsanlage am Laaer Berg nicht beseitigt, sondern bekamen eine neue Funktion: Sie dienten fortan als Rückzugsgebiet für die damals schon vom Aussterben bedrohten Kiemenfußkrebse.

Kiemenfußkrebse werden bis zu zehn Zentimeter groß und lebten einst zu Hunderttausenden in den seichten Tümpeln des Wiener Raums. Sie gehörten jedoch auch zu den am meistverzehrtesten Lebensmitteln der damaligen Zeit – so beinhaltete beispielsweise das Kochbuch der Anna Dorn schon im Jahre 1827 dreizehn Seiten an Krebszubereitung. Zusätzlich gab es zur Zeit Anna Dorn´s auch die Krebsenpest. Die Krankheit rottete die Flusskrebse im Wiener Raum fast aus, die Kiemenfußkrebse fanden Zuflucht am Laaer Berg. Das Wasser in den vom Militär geschaffenen Schanzen und Schutzgräben versickerte wegen der Bodenbeschaffenheit nicht und bot den Krebsen damit einen idealen Lebensraum. Der Laaer Berg wurde bald der letzte Ort in (damals noch) Niederösterreich, wo man die Kiemenfußkrebse beobachten konnte.

Die zunehmende Bebauung des Gebietes hatte jedoch zur Folge, dass der Lebensraum der Kiemenfußkrebse immer weiter eingeengt wurde und ihre Zahl abnahm. Um das Überleben der Art zu sichern, brachten Zoologen eine große Anzahl der Tiere 1926 in eine biologische Station in Lunz am See. Seit 1951 wurden am Laaer Berg keine Kiemenfußkrebse mehr gesichtet.

 

Aufforstung und Nutzung als Freizeitraum

Nachdem der neue Truppenübungsplatz auf der Schmelz eingerichtet wurde, kamen nur noch selten Soldaten vom Arsenal auf den Laaer Berg. Ziege und Schafe weideten dann im Brachland, bis Neuregelungen der Arbeitszeit im späten 19. Jahrhundert für mehr Freizeit der arbeitenden Bevölkerung sorgten. Als die Leute dadurch am Sonntag, an Feiertagen und an den Abenden mehr Freizeit als vorher hatten wurde der Laaer Berg mit seinen Ziegelteichen zum Freizeitparadies.

Für die Stadtplanung war der Laaer Berg ein wichtiges Entwicklungsgebiet. Die Kuppe des Laaer Berges wollte man als Erholungsgebiet gestalten, also erhielt das Forstamt der Stadt Wien die Aufgabe das Gebiet aufzuforsten. Genau genommen handelte es sich dabei nicht um eine Wiederaufforstung, sondern eine neue Aufforstung. Es galt vorgesehene 40 Hektar unter den schwierigen Bedingungen von extrem trockenem Klima, stärkerem Wind und fehlender fruchtbarer Erde auf dem Schotterboden neu zu bepflanzen. Die ersten Versuche, einen Jungwald in üblicher Art anzulegen, scheiterten 1953 und 1954. Ein junger Eichenmischwald konnte unter den gegebenen Boden- und Klimaverhältnissen nicht gedeihen, weshalb die Wiederherstellung des alten Waldes unmöglich war.

Man begann daher mit Untersuchungen und Studien, die Aufschluss darüber zeigen sollten, welche Pflanzen die richtige Mischung für die gegebenen Verhältnisse bilden könnten. Die Pflanzenfamilie ist daher heute eine völlig andere als jene, die vormals den Laaer Berg bedeckte und der Abholzung im 18. und 19. Jahrhundert zum Opfer fiel. Bereits 1956 begann man mit der neuen Aufforstung. Maßnahmen wie künstliche Bewässerung, organische Düngung mit Biomull, mit Humus gefüllte Gräben und Setzung der Pflanzen quer zur Windrichtung brachten schließlich den gewünschten Erfolg. Zwischen 1956 und 1964 wurden 270.000 Pflanzen auf mehr als 320.000m² gesetzt. Dazwischen wurden Flächen für Lagerwiesen und Wege freigehalten.

Auch die Kapelle St. Anna aus dem Jahr 1923, die einem Trümmerhaufen glich, wurde von den Mitarbeitern des Wiener Forstamtes 1981/82 renoviert.

Das Gebiet wurde vorerst eingezäunt. Nur Jägern, die den Wildbestand zum Schutz der Pflanzen in Grenzen halten sollten, wurde Zutritt gewährt. Als der Wald weitreichend entwickelt und gefestigt war, wurde er 1982 als „Erholungsgebiet Laaer Wald“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zu finden sind dort ausreichend Bänke und Liegewiesen, die zum Verweilen einladen, Naturlehrpfade sowie auch ein Vogelnaturschutzgebiet, dass sogar Heimat teilweise gefährdeter Arten ist. Vollendet wurde das Erholungsgebiet am Laaer Berg in seiner Gesamtheit schlussendlich mit der Eröffnung des Kurzentrums Oberlaa 1974 und dem heutigen Kurpark Oberlaa, nämlich der „WIG 74″.

Die Aufforstung des Laaer Waldes fand große internationale Beachtung sowie Anerkennung und wurde beispielhaft für weitere Pflanzungen im Wiener Raum, wie etwa auf der Donauinsel oder bei der großen Windschutzpflanzung in Unterlaa in den Jahren 1982/83.

 

Großerholungsraum Laaer Berg

Das weiträumige Erholungsgebiet am Laaer Berg hat nicht nur den Kurpark Oberlaa und den Laaer Wald zu bieten, sondern auch die umliegenden Flächen wie die Löwygrube und den angrenzenden Vergnügungspark Böhmischer Prater.

Der Laaer Berg sowie der an dessen Südhang gelegene Goldberg (Gelände Kurpark Oberlaa) zählen damit zu den Großerholungsräumen Wiens. Der Goldberg sowie der Bereich Löwygrube und Laaer Wald am Laaer Berg sind Teil des sogenannten grünen Rings um Wien, dessen Plan („Grüngürtel Wien 1995″) im Jahre 1995 vom Gemeinderat beschlossen wurde.

Hier geht´s zu den Fotos rund um das Erholungsgebiet Laaer Wald sowie zu den Fotos aus dem Kurpark Oberlaa.

Die Wiener Internationale Gartenschau (WIG) 1974 war ein regelrechter Publikumsmagnet. Das Gelände wurde Ende 1974 zum Erholungsgebiet „Kurpark Oberlaa” umgewandelt und ist bis heute ein beliebtes Freizeitareal.

Wiener Internationale Gartenschau (WIG) 1974 | Kurpark Oberlaa

Bevor auf dem Gelände am Laaer Berg die WIG 74 gebaut wurde, diente es teilweise als Mistablagerungsstätte. Es war ein verwahrlostes Gebiet mit Ziegelteichen, das auch zu versteppen drohte. Gleichzeitig wurde man sich der Notwendigkeit von Grünflächen sowie Pflanzen als Sauerstoffspender bewusster, sodass man schließlich anfing, Erholungsgebiete zu schaffen.

 

Projekt WIG – Wiener Internationale Gartenschau 1974

1969 beschloss daher die Gemeinde Wien, auf dem Gelände um den Filmstadt- und Flößlerteich die Wiener Internationale Gartenschau (WIG 74) zu veranstalten. Die WIG 74 sollte nicht nur einen bleibenden Erholungsraum schaffen, sondern auch eine Ideallösung für die Sanierung des Gebietes auf dem Goldberg (so wurde der südöstliche Ausläufer des Laaer Berges genannt) bieten.

Es folgte die Ausschreibung eines großen Wettbewerbs, bei dem 87 Arbeiten aus 19 verschiedenen Ländern einlangten. Für die endgültige Planung und Ausführung wurden alle positiven Ideen und Stärken der jeweiligen Projekte zusammengefasst. Schon kurze Zeit später, am 12.11.1970 findet bereits die erste feierliche Baumpflanzung beim Filmteich auf dem zukünftigen WIG-Gelände statt. Auf die Erhaltung des Naturschutzgebietes „Filmstadt” mit einmaliger Flora und Fauna wurde bei der Planung größter Wert gelegt. Die Tradition des Laaer Berges als Naturlandschaft wurde durch die Gartenschau modifiziert fortgesetzt.

Für das Projekt mussten rund 120.000m³ Erde verfrachtet und mehr als 250.000m³ Muttererde für die Verpflanzung aufgebracht werden. Bürgermeister Leopold Gratz eröffnete am 18.4.1974 schließlich die Wiener Internationale Gartenschau (WIG 74) sowie das Kurzentrum Oberlaa. Bereits im ersten Jahr besuchten 2,8 Millionen Menschen beide Einrichtungen.

Die WIG 74 fand vom 18.4.1974 bis 14.10.1974 statt. Highlights waren der Kurgarten von Gottfried Hansjakob, die Hobby- und Industriegärten, die Freizeitgärten für Spiel und Erholung, der Apothekergarten (welcher 1977 in ein Gartenbaumuseum umgewandelt wird), der Weinlehrpfad, die Clusius-Sonderschau, der Seerosenteich, das Wasserspiel beim Konzertgarten, der Partygarten, der Treppengarten, der Wasser- und der Staudengarten, der utopische Garten und natürlich der Bereich des Filmstadtstadtgeländes. Dieses befand sich im nördlichen Teil des Ausstellungsgeländes und erinnerte an die Filme, die hier ab den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts gedreht wurden und Hollywood Konkurrenz machen sollten (siehe „Filmdrehs am Laaer Berg“).

Geboten wurde den Besuchern auch ein Kindertierpark von Herbert Ursprunger, der Hafenbrunnen von Hubert Wilfan, die Mediationsskulptur von Karl Prantl, ein Restaurant der Architekten Requat & Reinthaller sowie Georg Lippert, der österreichische Gebirgsgarten, die Gärten der Nationen sowie ein Garten zu Ehren des Forschers Gregor Mendels, der auf dem Gebiet der Genetik als Entdecker und Ersteller der Mendel´schen Gesetze der Vererbung in die Geschichte einging. Nicht zu vergessen ist die als Hochbahn konzipierte Einschienenbahn (Monorail), die das Gelände erschloss und später abgerissen wurde. Die Gartenschau wurde Ende 1974 in den „Kurpark Oberlaa” umgewandelt. Manche Teile der WIG 74 sind heute noch erhalten, wie zum Beispiel der Rosengarten oder der Uhrturm von Stephan Pral.Zum 30-jährigen Jubiläum der WIG 74 fanden über den Zeitraum von 18. April bis 26. September 2004 zahlreiche Veranstaltungen auf dem ehemaligen WIG-Gelände statt. Im Rahmen der Feierlichkeiten wurde nahezu jedes Wochenende ein Musik- und Unterhaltungsprogramm mit kulinarischen Genüssen abgehalten.

 

Kurpark Oberlaa

Das ehemalige WIG-Gelände liegt östlich der Laaer-Berg-Straße (zwischen der Kurbadstraße und der Filmteichstraße), ist rund 86,5 Hektar groß und weist einen Höhenunterschied von 50 Metern auf. In dieses fügt sich der Kurbereich rund um die Oberlaa´er Heilquellen am unteren Ende des Geländes ein (siehe auch „Bericht über die Eröffnung der Therme Wien”). Damit wird die Doppelfunktion eines Erholungsgebietes und eines Kurparkes zugleich erzielt.

Das heute als „Kurpark Oberlaa” bekannte Gelände ist ein beliebtes Freizeitareal, das Groß und Klein zum Spazierengehen, Spielen und Verweilen einlädt. Auf dem vielfältigen Gelände finden sich zahlreiche Bänke und Wege die zu den verschiedensten floristischen Themenbereichen führen, wie etwa zum Kräutergarten, Liebesgarten oder den japanischen Garten. Auch Tischtennis- und Kinderspielmöglichkeiten sind gegeben. An einem der oberen Eingänge befindet sich ein Musterhauspark sowie das 4-Sterne-Hotel „Eitljörg” samt der gemütlichen „Panoramaschenke” (Restaurant – Biergarten – Café).

Wasserspiele sowie kleine und größere Gewässer sorgen an wärmeren Tagen für eine ruhige und angenehme Atmosphäre. Die bei besonders eisigen Temperaturen gefrierenden Wasserflächen werden auch gerne für verschiedene Wintersportarten wie Eislaufen oder sogar Eishockey genutzt.

Auch für Tierliebhaber gibt es viel zu entdecken: Verschiedene Vogelarten, Enten und Krähen haben hier ihren Lebensraum gefunden. Auch Eichhörnchen und Wasserschlangen können mit etwas Glück entdeckt werden. Weniger schwer zu finden ist das Gehege der Ziegen im mittleren Bereich des Geländes sowie die Pony´s und Kaninchen am oberen Eingang.

Das Erholungsgebiet wird zudem auch für Veranstaltungen genutzt, wie beispielsweise das große Nivea Familienfest im Jahr 2010. Auf Grund der zahlreichen Motive, die das Gelände bietet, entstanden hier auch viele Bilder im Rahmen des zweiten Favoritner Fotowettbewerbs „Klick10„? (siehe Artikel).

An den oberen und unteren Eingängen finden sich zahlreiche Parkplätze, die jedoch trotz ihrer Vielzahl oft überfüllt sind. Dank der Wiener Linien ist das Erholungsgebiet auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. So hat die Buslinie 68A ihre Endstation bei der Haltestelle „Kurpark Oberlaa” am oberen Eingang des Geländes. Die am unteren Ende des Geländes befindliche Therme Wien sowie die anschließende Kurkonditorei Oberlaa und die daneben liegende kleine Ladenzeile ist durch die Endhaltestelle „Oberlaa, Therme Wien” der Straßenbahnlinie 67 an den öffentlichen Verkehr angebunden.

Weitere Fotos vom Erholungsgebiet finden sich hier in der Bildgalerie.

Das historische Areal an den Hängen des Laaerberges, das durch die Absberggasse und die Schrankenberggasse begrenzt wird, befindet sich derzeit im Wandel. Auf dem Grundstück des von Gottfried von Preyer ermöglichten Kinderspitals werden zukünftig die Preyer´schen Höfe ihren Platz finden.

 

Preyer´sches Kinderspital

Gottfried on PreyerDie Existenz des Preyer´schen Kinderspitals ist Gottfried von Preyer zu verdanken. Er wurde am 15.3.1807 in Hausbrunn bei Mistelbach geboren, studierte am Konservatorium der Stadt Wien, war Organist an evangelischen Kirchen und wurde im Laufe seiner Karriere Hoforganist (1841), Hofopernkapellmeister (1843) und Domkapellmeister zu St. Stephan (ab 1853). Gottfried von Preyer unterrichtete auch Harmonielehre am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde, an welchem er in den Jahren 1844 bis 1849 auch Direktor war. Zeit seines Lebens schrieb er mehr als sechshundert Kompositionen, darunter Messen, Oratorien und Chorgesänge.

Er kam eines Tages nach Wien an den Laaer Berg und begegnete dort in einer kalten Nacht einer armen Frau mit einem kranken Kind in den Händen. Obwohl sich die Mutter anstrengte und alles dafür gab, konnte sie kein Spitalsbett finden. Gottfried von Preyer begleitete die Frau und ihr Kind in das Bezirkszentrum und versprach ihr Hilfe, das Kind jedoch starb auf dem Weg dorthin. Von diesem Moment an entschloss sich der Komponist, alles dafür zu tun damit die Armen Favoritens ein Spital erhalten. Favoriten brauchte dieses dringend, denn die meisten Kinder waren unterernährt und somit auch stark anfällig für Krankheiten.

Mit seinem Tod am 9.5.1901 vermachte Gottfried von Preyer sein Vermögen in der Höhe von zwei Millionen Goldkronen der Stiftung des Preyer´schen Kinderspitals. In den Jahren 1910 bis 1914 wurde das Preyer´sche Kinderspital schließlich errichtet. Da das Stiftungsvermögen damit jedoch rasch aufgebraucht wurde fehlte das Geld für die Inneneinrichtung. Als während des ersten Weltkrieges dringend Spitalsplätze notwendig waren, wurden seitens des Staates rasch die erforderlichen Mittel für die Fertigstellung zur Verfügung gestellt. 1914 diente das Gebäude als Lazarett zur Behandlung verletzter Soldaten, das Kinderspital als solches nahm seinen Betrieb erst im Jahre 1915 auf. Wie bitter nötig dieses gebraucht wurde zeigten schon die ersten Tage ab der Eröffnung, an denen die Ambulanz heillos überlaufen war. Die Bettenanzahl wurde rasch von ursprünglich 80 auf 100 erhöht, das Gebäude wurde in den folgenden Jahrzehnten um verschiedene Zu- und Anbauten vergrößert.

Während des zweiten Weltkrieges wurde das Preyer´sche Kinderspital so schwer durch Bombeneinschläge beschädigt, dass es kurzfristig sogar geschlossen werden musste. In den Jahren nach der Wiederaufnahme des Betriebs am 1.7.1945 wurde das Spital weiter ausgebaut. Hierfür wurden auch angrenzende unbebaute Grundstücke dem Areal hinzugefügt, sodass unter anderem ein größerer Garten entstehen konnte. Mit dem Bau des Südtraktes in den Jahren 1958 bis 1960 wurde die Bettenanzahl auf 300 erhöht. Zwischen den Jahren 1976 und 1978 wurde ein zweites Schwesternheim auf dem Areal gebaut. In den Jahren 1973 bis 1976 erfolgte der Zubau des Operations- und Röntgentraktes. Die Eröffnung einer interdisziplinären (neonatologischen, pädiatrischen und chirurgischen) Intensivstation mit 8 Betten erfolgte 1984.

In den 90-ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erfolgten im stationären und infrastrukturellen Bereich Generalsanierungen. Man nutzte diese Gelegenheit auch für die Anschaffung neuer Geräte. Das Therapieangebot konnte im Jahre 1994 erweitern werden. Um auch Begleitpersonen die Möglichkeit der Unterbringung zu bieten, wurde die Zahl der Betten in den folgenden Jahren reduziert. Im Jahr 2000 weist der Bettenbestand 130 Stück auf.

Zur Zeit der Errichtung gab es um das Spital herum übrigens nur Grünflächen, die ersten Häuser die man sehen konnte waren erst jene an der Favoritenstraße. Ausgehend vom Eisenstadtplatz wurde Ende der 50er-Jahre mit der Bebauung in der Umgebung begonnen. Heute finden sich rund um das Areal des Preyer´schen Kinderspitals, das von der Schrankenberggasse und der Absberggasse begrenzt wird, die unterschiedlichsten Bebauungsformen.

 

Preyersche Höfe – Die Nachnutzung des Areals

Da das moderne Mutter-Kind-Konzept in den Gebäuden des Kinderspitals nicht umsetzbar war, siedelte das Preyer´sche Kinderspital nach knapp 100 Jahren Betrieb in das SMZ Süd um. Obwohl die Gebäude aktuell noch teilweise genutzt werden, wird das Gottfried von Preyer’sche Kinderspital bereits seit 1.1.2008 als Kinder- und Jugendabteilung des Kaiser-Franz-Josef-Spitales, welches eine Einrichtung des SMZ Süd ist, geführt. Derzeit werden die Gebäude am Areal an der bereits Absberggasse Stück für Stück abgerissen.

Für die zukünftige Bebauung und Nachnutzung des Areals wurde ein städtebaulich-architektonischer Wettbewerb durchgeführt, welcher von BWM Architekten und Idealice Landschaftsarchitektur mit ihrem durchgängigen und barrierefreien Konzept gewonnen wurde. Auf einer Gesamtlänge von rund 300m war eine Steigung von 12m und der weitestmögliche Erhalt des Baumbestandes zu berücksichtigen. Zukünftig werden dort hauptsächlich Wohnungen, aber auch andere Nutzungsmöglichkeiten geschaffen werden. So sind unter anderem auch ein Kindergarten für rund 950 Kinder, Mietergärten sowie Einzelhandelsflächen an der Laaer-Berg-Straße vorgesehen. Unter dem Motto Generationenwohnen und –bauen werden Gebäudeteile teils so konzipiert, dass betreutes Wohnen auf Wunsch jederzeit möglich wäre. Das Areal wird mit drei Zufahrten zu teils zweigeschößigen Tiefgaragen versorgt werden.

Eine Zeit lang war in Wien die „Gas Association“ etabliert, deren englische Ingenieure einen Sport nach Wien brachten, der die Bevölkerung fesseln sollte wie fast kein anderer Sport: Fußball! Besonders erwähnenswert ist dabei nicht nur Fußballer-Legende Matthias Sindelar, sondern auch die Wiener Austria, die heute mit der Generali Arena und der neuen Nachwuchsakademie endlich fest am Laaerberg beheimatet ist.

 

Matthias Sindelar | FK Austria Wien | Stadion beim Verteilerkreis (Generali Arena)

Ursprünglich begann alles in Döbling, doch die Kicker vom „zehnten Hieb“ trugen zur Geschichte des Wiener Fußballs maßgeblich bei. So kam beispielsweise in vergangenen Zeiten fast die Hälfte der österreichischen Nationalmannschaft aus Favoriten, und auch einer der größten und wohl berühmtesten Fußballer war ein Favoritner Sportler: Matthias Sindelar.

 

Matthias Sindelar – Die Legende aus Favoriten

Matthias SindelarMatthias Sindelar wurde am 10.2.1903 in Karlau bei Iglau in Mähren geboren. Er wuchs in einer Arbeiterfamilie auf und kam als Kind mit seinen Eltern nach Wien. Nachdem er seinen Vater im ersten Weltkrieg verlor, hatte er ein hartes Leben. Er erlernte den Beruf Mechaniker und begann beim Fußballverein Hertha zu spielen. Bei seinem ersten Spiel im Jahre 1923 siegte er bereits, 1924 wechselte er zum Amateur-Sportverein (der späteren Austria).

Nachdem Sindelar im Bad stolperte und einen Tag darauf beim Spiel einen Tritt auf das Knie bekam, lautete die Diagnose Meniskusverletzung. Sindelar unterzog sich einer damals noch riskanten und ungewöhnlichen Operation und hatte Glück: Er wurde wieder spielfähig und entwickelte eine Technik mit der er Karriere machte. Körperbetontes Spiel ersetzte der Fußballer mit dem zarten Körperbau durch seine perfekte Balltechnik, was ihm den Spitznamen „Papierener“ einbrachte. Sindelar wurde zur absoluten Nummer eins der (mittlerweile) Austria und der Nationalmannschaft. 27 Tore schoss er allein in den Jahren 1931 bis 1934. Manche sagen ihm nach, dass er menschlich als auch sportlich sehr viel zur Rettung der Austria (die anfangs der 30-iger Jahre zahlungsunfähig war) beitrug und diese zusammengehalten hätte. Insgesamt 43 mal stand Sindelar in der österreichischen Nationalmannschaft, er wurde zur Legende und zum Symbol des österreichischen Fußballsports.

Der Untergang Österreichs im März 1938 machte ihm dem Vernehmen nach schwerer zu schaffen als man dachte. Die Nazis umgarnten ihn und schenkten ihm ein Café das sie zuvor einem Juden abgezwungen haben. Sindelar fühlte sich als waschechter Wiener, interessierte sich nur für Fußball aber nicht für Politik. Menschen die ihn gut kannten waren überzeugt, dass er kein Nazi war. Sein letztes Spiel war jenes am 26.12.1938 in Berlin. Kurze Zeit später, am 23.1.1939 wurde er gemeinsam mit seiner Freundin tot in seiner Wohnung aufgefunden. Offizielle Todesursache war eine „Kohlenoxydgasvergiftung“, zu der es durch den mit Watte verstopften Abzug des Ofens gekommen war. Ob es ein Unfall war wurde nie geklärt, doch in den Straßen Wiens munkelte man schnell, dass es sich um Selbstmord gehandelt haben könnte. Die Freundin des depressiv gewordenen Sindelar´s sei nämlich vom Naziregime als „Halbjüdin“ verfolgt worden.

Am Laaer Berg, dort wo Sindelar seinen Schrebergarten hatte, benannte man eine Gasse nach ihm. Sie befindet sich kurz nach der Kreuzung Laaer-Berg-Straße / Bitterlichstraße, fährt man die Bitterlichstraße Richtung Simmering entlang geht es rechts hinein in die Sindelargasse.

 

Die FK Austria Wien

Franz Horr StadionSindelar war eng mit der Austria verbunden. Er überdauerte auch die Finanzkrise der Austria in den dreißiger Jahren und schlug sensationelle Angebote aus dem Ausland aus. Die Austria wurde ursprünglich aus einem Streit im Jahre 1910 heraus gegründet, der den Fußballverein Cricketer betraf. Der neu abgespaltete Klub wollte sich eigentlich „Neue Wiener Cricketer“ nennen, doch dagegen wehrten sich die „alten“ Cricketer vehement. So kam es, dass der neue Verein den Namen „Wiener Amateur-Sportverein“ erhielt.

Dieser Name war allerdings mit der Einführung des Berufsfußballs im Jahre 1925 ganz und gar nicht mehr zeitgemäß, weshalb man auf der Suche nach einem neuen Namen war. Zeitgleich kam es zu einer Fusion mit dem Schwimm- und Wasserballclub Austria und man entschloss sich, diesen Namen auch für den Fußballsektor anzunehmen. So wurde aus den „Amateuren“ die „Austria“.

Die Austria gehörte immer der höchsten Spielklasse an, etablierte sich in den dreißiger Jahren zum europäischen Spitzenverein und stellte zu dieser Zeit auch den Kern der Nationalmannschaft. So gewann die Austria 1933 und 1936 den Mitropa-Cup, den man quasi als einen Vorläufer der Champions-League bezeichnen kann. In den Jahren 1924, 1926 und 1949 holte sie Meistertitel. 1950 gewann die Austria die erste österreichische Meisterschaft. Durch den Durchbruch neuer Talente erlebte die Austria in den siebziger Jahren einen neuerlichen Aufschwung. In den folgenden Jahren errangen die Violetten zahlreiche und teils phänomenale Siege. Bis heute ist der seit 1.1.2008 unter dem Namen „FK Austria Wien“ geführte Verein für seine tatkräftige Kampfmannschaft österreichweit bekannt und verfügt über zahlreiche namhafte Großsponsoren wie etwa Verbund, Generali Versicherung, Rewe Konzern, Nike, Siemens und viele andere.

 

Generali Arena – Das Stadion beim Verteilerkreis

Horr Stadion Zugang Die Austria hatte zur Zeit als Amateur-Sportverein so lange auf dem WAC-Platz im Prater gespielt, bis sie einen eigenen Platz in Ober St. Veit anlegen konnte. Nach dem Bau des Stadions mietete sich die Austria 1931 dort ein. Zwischenzeitig tat sich jedoch einiges am Laaer Berg: Der am 25.1.1918 ins Leben gerufene Verein „Tschechisches Herz“ (=„?eské srdce“), der sich die Linderung der Not von Kriegswaisen und Kriegswitwen zur Aufgabe machte, konnte im Jahr 1922 ein Areal an der Fischhofgasse erwerben und legte dort einen Sportplatz an.

Das dort erbaute Stadion mit dem Namen „?eské srdce“ wurde schließlich am 15. August 1925 eingeweiht. Assimilierung und politische Ereignisse führten jedoch zum Rückgang des tschechischen Bevölkerungsanteils in Wien, weshalb die Minderheit den Platz weder ausreichend nützen noch erhalten konnte. Die Sportanlage wurde daher von der Gemeinde Wien Ende der siebziger Jahre erworben, modern ausgebaut und dem Wiener Fußballverband (WFV) zur Verwaltung übergeben. Das Stadion wurde nunmehr als „WFV-Stadion“ bekannt.

Horr Stadion SpielfeldDer damalige Präsident des Wiener Fußballverbandes war Franz Horr. Er wurde am 16.4.1913 in Wien geboren und hatte die Funktion des Präsidenten beim Wiener Fußballverband in den Jahren 1972 bis 1974 inne. Es gefiel ihm nicht sonderlich, dass auf dem ehemaligen Verbandsplatz des Vereins „Tschechisches Herz“ nur Nachwuchsmannschaften und unterklassige Klubs spielten. Zudem war es ihm ein Anliegen, einerseits der zwar höchstklassigen, aber quasi heimatlosen Austria einen Platz und andererseits den Favoritnern wieder einen Spitzenklub zu geben. Er wandte sich daher an die FK Austria Wien, die bald darauf (bereits 1973/1974) ihre Nationalligaspiele im WFV-Stadion austrug.

Franz Horr spielte mit dem Gedanken, das WFV-Stadion in ein großes „Matthias-Sindelar-Stadion“ auszubauen. Nach dem überraschenden Tod des Präsidenten am 6.1.1974 wurden diese Überlegungen jedoch verworfen und die Sportanlage auf „Franz-Horr-Stadion“ umbenannt. Einige Jahre danach sollte sich auch sein Wunsch erfüllen: Seit 1982 ist die Austria auf dem Platz am Laaer Berg beheimatet.

Im Jahre 1987 erhielt das Stadion mit der Westtribüne eine überdachte Stehplatztribüne. In den Jahren 1997 bis 1999 musste die historische Südtribüne aus dem Jahr 1925 einem modernen Neubau weichen. Die neue Südtribüne erhielt dabei den Namen „Matthias Sindelar-Tribüne“. Für rund neun Millionen Euro erfolgte im Jahre 2008 der Bau einer neuen Osttribüne sowie der Umbau der West- und Nordtribüne.

Im Frühjahr 2000 übersiedelte schließlich die Geschäftsstelle der Wiener Austria in das Franz-Horr-Stadion. Die Wiener Austria ist damit ein Stück mehr heimisch im zehnten Wiener Gemeindebezirk geworden. Seit dem Neubau der FAK Nachwuchsakademie 2009/2010 am nahegelegenen Trainingsareal an der Laaer-Berg-Straße 143 spielen nunmehr alle Mannschaften der Wiener Austria lediglich „einen Steinwurf“ voneinander entfernt.

Im Dezember 2010 wurde die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen der FK Austria Wien und der Generali Versicherung bekanntgegeben. Eine Folge daraus ist die Umbenennung des Franz-Horr-Stadions. Generali hat die Patenschaft für das Stadion übernommen und erhält vorerst auf fünf Jahre (inkl. fünf Jahre Verlängerungsoption) das Namensrecht. Damit heißt das Franz-Horr-Stadion nunmehr „Generali Arena“.

Fotos von der Generali Arena finden sich hier in der Bildergalerie