Ziegeleien am Laaer Berg

Der Laaer- und der Wienerberg eigneten sich auf Grund ihrer Beschaffenheit ideal für die Ziegelproduktion. Sie entstand gleichzeitig mit der massiven Abholzung am Laaer-Berg im 18. Jahrhundert.

Miesbach
Begonnen hat alles mit Miesbach, zu seinen Lebzeiten waren 37 Brennöfen mit einem Produktionsvolumen von 70 000 bis 90 000 Ziegeln in Betrieb.

Nachdem die Brennöfen mit Kohle befeuert wurden und deren Anzahl auf insgesamt 42 Stück anstieg, wurden täglich mehrere Millionen Ziegel produziert. Um 1870 belief sich die Jahresproduktion bereits auf mehr als 100 Millionen Ziegel. Nach dem Tod Miesbach´s erbte sein Neffe Heinrich Ritter von Drasche-Wartinberg (bekannt als Heinrich Drasche)  die Ziegelwerke.

1869 Wienerberger Ziegelfabriks- und Baugesellschaft
Ende der 60ziger Jahre des 19. Jahrhunderts setzte eine massive Baukonjunktur ein, weshalb mehr Arbeiter in den Ziegelwerken beschäftigt wurden. Schnell waren es Tausende, die dort unter teils schwerwiegenden Missständen ihren Lebensunterhalt verdienten.

Die für den Bau des „Arsenals“ wurden 1853 rund 125 Millionen Ziegel benötigt, diese kamen aus den Ziegelwerken am Wienerberg.

Die Arbeiter in den Ziegelwerken nannte man „Ziegelschupfer“, „Mörtelweiber“ und „Ziegelböhm“. Während die „Siedlung vor der Favoriten-Linie“ ab 1850 entstand galten die außerhalb dieser Siedlung lebenden Menschen, die großteils die Ziegelarbeiter waren, als gesellschaftlich deklassiert. „Da draußen am Wienerberg“ herrschte nach damaliger Ansicht das Proletariat, dem man nicht trauen könne. Diese Besitzlosen waren selbst dem Kaiser suspekt.

Ungefähr  in den Jahren nach 1870 lebten die Arbeiter unter primitivsten Bedingungen und mussten mangels Unterkunftsmöglichkeit oft im Freien oder in nicht in Betrieb stehenden Öfen übernachten. Unter starkem Leistungsdruck mussten sie schwere Arbeit verrichten. Frauen arbeiteten ebenfalls mit und auch Kinder wurden für leichtere Hilfsarbeiten eingesetzt.

Die Entlohnung wurde nach dem sogenannten „Truck-System“ vorgenommen. Dabei wurde der Lohn als betriebsinterne Valuta, genannt „Blech“, ausbezahlt. Damit konnte man allerdings nur in Geschäften und Wirtshäusern bezahlen, die von der Unternehmensleitung bestimmt wurden.  Auf Grund der Lebensbedingungen der Ziegelarbeiter waren diese auch für Krankheiten anfällig. So brach im Jahre 1872 eine Blatternepidemie aus. Die um 1873 tobende Cholera kostete vor allem den unterernährten Ziegelarbeitern am Wienerberg das Leben.

Die Missstände und die Lebensbedingungen der „weißen Sklaven vom Wienerberg“ – wie die Ziegelarbeiter bald betitelt wurden – wurden in der Bevölkerung bekannt und auch von Viktor Adler in einer Zeitschrift 1886 angeprangert.

Die als unsozial empfundenen Arbeitsbedingungen und zu langen Arbeitszeiten führten bei den Ziegelarbeitern zu Unmut, der lange gärte.  Im Frühjahr des Jahres 1894 kam es zum Streik der Ziegelarbeiter in Biedermannsdorf, dem sich bald weitere Werke anschlossen. Die Forderungen der rund 2000 streikenden Ziegelarbeiter aus den Werken Oberlaa, Laaer Berg, Laaer Wald, Vösendorf, Biedermannsdorf, Guntramsdorf und Hernals wurden für kurze Zeit von der Unternehmensleitung akzeptiert.

Im April 1894 legten sodann die Ziegelarbeiter am Wienerberg die Arbeit nieder. Nachdem eine zur Klärung und Verhandlung entsandte Delegation nicht empfangen wurde, streikten 6000 Ziegelarbeiter und 4000 von weiteren Fabriken. Als sich Engelbert Pernersdorfer im Reichsrat äußerte und Viktor Adler die Berichterstattung in der damaligen „Arbeiter-Zeitung“ forcierte, gab die Unternehmensleitung den Forderungen der Streikenden nach. Eine 15-prozentige Lohnerhöhung, die Anerkennung der elfstündigen Arbeitszeit, die Abschaffung des leistungsorientierten Prämiensystems sowie die Gründung des „Fachverbands der Ziegelarbeiter“ waren das Ergebnis der Streiks.

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