Die Geschichte des Laaer Berges

Jede Geschichte hat ihren Anfang, und so beginnt auch die Geschichte des Laaer Berges lange vor unserer Zeit. Es waren die Kelten, die ca. um 300 vor Christi hier gelandet sind und bald damit begonnen haben, rund um den Laaer Berg (und auch um den Wienerberg) zu roden, Holzhäuser zu bauen und eifrig Ackerbau sowie Viehzucht zu betreiben.

Die Römer
Ein paar hundert Jahre später, nämlich von 70 bis 100 nach Christi, waren bereits zwei römische Legionen im Gebiet Laa stationiert. Ein wenig später kam eine weitere römische Legion hier her und blieb bis zum vierten Jahrhundert. Nachdem Kaiser Probus um das Jahr 275 nach Christi den Weibau für die römischen Provinzen freigab, pflanzten die Römer die ersten Weinreben am Laaer Berg. Aus dieser Zeit werden Jahrhunderte später zahlreiche Reliquien gefunden. Unter den in den im 20. Jahrhundert errichteten Ziegeleien am Laaer Berg entdeckten  Fundstücken finden sich beispielsweise Kupferdenare, Münzen, Gefäße und Schmuck.

Türkenbelagerungen
Weitere Jahrhunderte später wird der Laaer Berg wieder zum Brennpunkt in der Geschichte: Er wird während der ersten Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1529 zum Sitz des Großwesirs Ibrahim Pascha, der dort mit seinen Truppen lagerte. Die vormaligen Bewohner flüchteten sich in die umliegenden Wälder, während sich die kriegstauglichen Wiener in der Stadt sammelten. 24 Tage nach den ersten Invasionsversuchen werden die Türken bereits vertrieben, doch zahlreiche Schäden an Häusern und Feldern bleiben zurück. Nach der darauffolgenden Zeit der Pest und der Reformation drohte bereits die zweite Türkenbelagerung. Am 12. Juli 1683 kamen die Türken erneut vor den Toren Wiens an und lagerten unter anderem erneut in Laa. Eines der großen türkischen Lager befand sich am sogenannten Geiselberg, der heute unter dem Namen „Landgut“ bekannt ist. Auch dieses Mal wurden die Türken in die Flucht geschlagen, doch wieder hinterließen sie verbrannte Häuser, Leid und Tod.

Das Gebiet Laa
Das Gebiet an den Hängen des Laaer Berges (das heutige Oberlaa) wird bereits im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt. So wird in einer testamentarischen Verfügung aus dem Jahr 1140 von „Gründen in Lô“ gesprochen. In kirchlichen Traditions- und Grundbüchern des Mittelalters finden sich verschiedene Schreibarten des späteren Laa, wie zum Beispiel „Lô“, „Loh“, „Lach“, „Laach“ oder „Loch“. Etymologische Deutungen verweisen auf das neuhochdeutsche Wort „Lache“, also Lacke. Vermutlich ist hier auch ein Zusammenhang mit den Lacken gegeben, die die zahlreichen Überschwemmungen der Liesing verursachten.

Die Herren von Lach (auch Laher oder Locher) waren seit dem 13. Jahrhundert in diesem Gebiet ansässig. Das Geschlecht der Herren von Lâ starb mit Christoph von Laa im Jahre 1440 aus.

Bis ins Jahr 1850 bestand im heutigen Favoriten noch keine geschlossene Siedlung. In Laa finden sich einige wenige Gehöfte zwischen Wiesen und Wäldern. In der Zeit zwischen 1866 und 1873 entstehen auf dem Wiener- und dem Laaer Berg Wasserbehälter der ersten Wiener Hochquellenwasserleitung, der Wasserbehälter namens „Am Laaer Berg“ wurde 1874 in der Quellenstraße 24 (=Gudrunstraße 31) errichtet. Die Benennung des Quellenplatzes sowie der Quellenstraße erfolgte übrigens 1874 zur Erinnerung an die Fertigstellung des Wasserbehälters. Mit dem Bau der Siedlung im Laaer Wald wird 1885 begonnen. Ungefähr zur gleichen Zeit entsteht hier auch der Böhmische Prater. Die Grundstücke an der Nordseite des Laaer Berges gehören zu Beginn des 19ten Jahrhunderts großteils der Stadt Wien, ein paar wenige gehören dem damaligen Bürgerspitalfonds. Ein paar wenige Gehöfte, die sich zwischen den Wiesen und Feldern südlich des Wienerbergs befanden, gehörten territorial zu Inzersdorf und Laa. In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts befindet sich eine der größten Ziegeleien am Laaer Berg. Östlich und südöstlich des Laaer Waldes waren einst mehr als 150 Hektar an Weingärten angelegt.

Die Entstehung des Bezirks Favoriten
Wenige Jahre später entsteht der Bezirk Favoriten. Am 18. Juli 1873 fasste der Gemeinderat in seiner Plenarsitzung den Beschluss, dass „die Creirung eines selbstständigen Bezirks im Prinzip genehmigt wird“. Über die Bezirksgrenzen einigte man sich sodann am 22. Mai 1874. Damals umfasste der Bezirk Favoriten das Gebiet zwischen der Ost- und Südbahn bis zur Inzersdorfer Straße sowie zum  Arsenal hin. Die k.k. Statthalterei für Niederösterreich genehmigte die Bildung des neuen Bezirks am 27.9.1874.

Seinen Namen verdankt der Bezirk Favoriten genau genommen dem kaiserlichen Lustschloss „Favorita“, dessen Bau Kaiser Matthias im Jahre 1615 in Auftrag gab. Das Schloss verfügte einst über einen prachtvollen Park mit Zierteichen, der Jagdrevier und Schauplatz für glanzvolle Festlichkeiten sowie Theateraufführungen und Feuerwerke zugleich war. Maria Theresia wurde am 13.5.1717 dort geboren. Nach dem Tod ihres Vaters mied sie das Schloss mehr und mehr und zog sich nach Schönbrunn zurück. Im Jahre 1746 übergab sie „Favorita“ schließlich einer Ritterakademie, die darin eine Ausbildungsstätte für junge Adelige und Jesuitenpatres einrichtete (heute bekannt als „Theresianum“).

Das Schloss „Favorita“ befindet sich übrigens im benachbarten Bezirk Wieden. Es war ursprünglich Namensgeber für die Favoritenstraße, die bis 1903 nur im Wiedner Teil so hieß, der Favoritner Teil der Straße trug vormals den Namen „Himberger Straße“. Von der Favoritenstraße wiederum erhielt ein Teil des  Linienwalls (Verteidigungslinie) seinen Namen „Favoritenlinie“. Der Linienwall verlief ungefähr wie die heutige Gürtelstraße, wurde 1704 errichtet und in den Jahren 1894 bis 1899 abgebrochen. Als sich ab 1850 eine Siedlung vor der Favoritenlinie zu bilden anfing, nannte man diese „Siedlung vor der Favoritenlinie“. Das war natürlich ein viel zu langer Name, weshalb die Leute kurzerhand auf „Favoriten“ abkürzten. Diese Siedlung war sodann quasi die Keimzelle des Bezirks. Bis zur Bezirksgründung im Jahre 1874 entstanden hier 386 Wohnhäuser mit 25 800 Einwohnern.

Der Laaer Berg wurde dem Bezirk Favoriten erst ein paar Jahre später einverleibt. Der Wiener Gemeinderat beschloss am 19.12.1890 die Stadtgrenze über den Laaer Berg und den Wienerberg hinaus zu verlegen und diese bei der Donauländebahn festzusetzen. Große Teile von Inzersdorf sowie kleinere Teile der Gebiete Unterlaa und Oberlaa, wo Acker- und Weinbau das bäuerliche Leben bestimmten, wurden damit nach ein paar Monaten Verhandlungsphase dem Bezirk Favoriten einverleibt. Der Bezirk wuchs dadurch enorm: er vergrößerte sich um mehr als 10 000 Menschen sowie 275 Gebäude und umfasste eine Gesamtfläche von 2176 Hektar.

Die Vorort-Romantik
Die Bewohner kamen aus unterschiedlichen Volksgruppen. Großteils handelt es sich dabei um Kinder aus Bauernfamilien der alten österreichisch-ungarischen Monarchie, die nach Favoriten kamen und das Landleben gegen das Leben im „Arbeiterbezirk“ (wie Favoriten gerne genannt wird) tauschten. Auch mit dem Militär kamen viele Fremde nach Wien. Ab Ende des 19. Jahrhunderts lebte man vorwiegend in Zinskasernen, die als düster und ungesund beschrieben werden. Die Wohnungen in diesen ersten größeren Mietshäusern bestanden meist nur aus einer Küche und einem Zimmer, manchmal handelte es sich auch nur um ein Zimmer-Küche-Kabinett oder überhaupt nur um ein Zimmer mit einer Kochgelegenheit. Diese Wohnungen, in denen möglichst viele Menschen untergebracht werden sollten, wurden um den teuren Zins der Vorkriegszeit vermietet. Oftmals gab es 50 bis 60 Parteien in einem Haus.

Wasser und Toilette befanden sich im Gang und wurden gemeinschaftlich genutzt. Diese innenarchitektonische Lösung, die von der Literatur als eigenwillig bezeichnet wird, fand man nur in Wien. Durch diese Besonderheit entstanden die sogenannten „Banessa-Gespräche“. Die „Banessa“ (Wasserleitung am Gang) wurde schnell zum Treffpunkt der Parteien, wo (auch Streit-)Gespräche stattfanden. Die Banessa-Gespräche bekamen trotz der positiven Funktion der Kommunikation, die nicht nur menschlich verbunden hatte sondern auch der Vereinsamung entgegen wirkte, bald einen schlechten Ruf. Das enge Zusammenwohnen in den Wohnungen und dem Zinshaus generell war also zwar nicht unbedingt das Beste für die Gesundheit, brachte jedoch die Menschen – auf die ein oder andere Art und Weise – näher zusammen.

Am Laaer Berg entstanden Siedlungshäuser, in denen die Zimmer etwas lichter waren. Zu den Räumen erhielten die Bewohner noch ein kleines Stückchen Grund. Eine Besonderheit war auch, dass man die Wohnung nach dem eigenen Geschmack einrichten durfte.

Die Inseln Favoritens
Interessant sind zwei alte Ausdrücke, die für Gegenden in Favoriten entstanden sind: Das Gebiet nördlich der Favoritenstraße wurde „Gimpelinsel“ genannt. Vermutlich geht dieser Ausdruck auf die „Gimpeln“, was im Volksmund dumme Vögel bedeutete, zurück.

Auch das Gebiet südlich der Absberggasse erhielt eine neue  Bezeichnung, als seitens der Behörden mit der Bebauung des Gebiets angefangen wurde. Da damals ein Aufstand auf Kreta herrschte und die Gegend rund um die Absberggasse als unsicher galt, nannte man das Gebiet kurzerhand „Kretainsel“. Der Laaer Berg selbst wurde im Volksmund „Lochaberg“ genannt.

Der erste Weltkrieg
In den ersten Kriegsmonaten wurde am Laaer Berg noch eine Radiostation errichtet. Auch das heutzutage bekannte Preyer´sche Kinderspital wurde 1914 fertiggestellt. Während der Kriegszeit wurden dort verletzte Soldaten behandelt. Der erste Weltkrieg sorgte in Wien für Lebensmittelknappheit, weshalb alle verfügbaren Grünflächen als Gemüsegärten angepflanzt und genutzt wurden. 1915 hat man daher die  Mistablagerungsstätten am Laaer Berg mit Kalk und einer dicken Humusschicht überschüttet. Danach wurde auf dieser Unterlage Gras gepflanzt. Nur wenige Jahre später entstanden dort die ersten Schrebergärten des Bezirks. Auch der Begriff „Monte Laa“ entstand während des ersten Weltkrieges.

Der zweite Weltkrieg
Die Stadt Wien wurde im zweiten Weltkrieg teilweise schwer getroffen, viele Gebäude wurden völlig zerstört. Favoriten war einer der Bezirke, die am meisten unter den Luftangriffen litten. Zwei Drittel der Wohnungen wurden hier unbewohnbar. Auch direkt am Laaer Berg gab es Einschläge, wie zum Beispiel jene beim Preyer´schen Kinderspital. Die weitgehende Zerstörung des Wasserbehälters am Laaer Berg durch Bombentreffer am 11.12.1944 sowie am 13.2. und 22.3. des Jahres 1945 stellte ein Problem der Wasserversorgung dar. Bei den beiden Treffern im Jahre 1945 ergossen sich Sturzbäche über die umliegenden Straßen. Die vorrangige Instandsetzung des Wasserbehälters gelang jedoch  noch vor dem Winter.

Gegen Ende des zweiten Weltkriegs wurde Wien am 2.4.1945 zur „Festung“ erklärt, der äußerste Stadtrand bildete die Verteidigungslinie. Die Laaer Berg-Trasse stellte die Rückhaltestellung dar. Die Verteidiger Wiens gingen auch in den Ortschaften am Fuße des Laaer- und des Wienerbergs in Stellung. Am 7.4.1945 griff die sowjetische Armee im Süden Wiens an, zwang die SS-Panzerdivision zum Rückzug und nahm die Rückhaltestellung auf der Laaer Berg- und der Wienerberghöhe ein. Als die SS-Truppen bereits besetzte Teile der Stadt am 8.4.1945 angriffen, wurde von den russischen Stellungen auf der Laaer Berg-Trasse aus zurückgeschossen. Am Morgen des 9.4.1945 wehte vom Seitenturm des schwer beschädigten Rathauses wieder die rot-weiß-rote Fahne, Waffenstillstand herrschte jedoch erst am 13.4.1945.

Die Wandlung
In den darauffolgenden Jahren wandelt sich der Arbeiterbezirk allmählich vom Industriebezirk in Richtung Wohnbezirk. Der Wiederaufbau wird genutzt, um das Leben angenehmer zu gestalten. Favoriten sollte „das Tor Wiens im Süden“ darstellen. Die enge Bebauung wird großteils aufgegeben, um mehr Grünflächen einplanen zu können. Auch die Wohnungen werden heller und größer, besonders am südlichen Bezirksrand entstehen großzügig angelegte Wohnsiedlungen. So wird beispielsweise bereits 1947 mit dem Bau der Per-Albin-Hanson-Siedlung begonnen.

Die Notwendigkeit von Grünflächen und Pflanzen als Sauerstoffspender führte dazu, dass große Erholungsgebiete angelegt wurden. Dazu zählen beispielsweise das Laaer Berg-Bad (Bauzeit 1957-1959), der Volkspark Laaer Berg sowie die Grünfläche am heutigen WIG-Gelände, die zuvor teils eine Mistablagerungsstätte war. Der Laaer Berg wurde, um dem Wunsch nach einem Erholungsgebiet nachzukommen und unter anderem auch um die Gefahr einer Versteppung zu bannen, ab 1956 großzügig aufgeforstet.

Zu dieser Zeit wurde auch ein kleines Dorf am Fuße des Laaer Bergs dem Bezirk Favoriten einverleibt, es handelte sich dabei um Oberlaa. Gemeinsam mit  Rothneusiedl und Unterlaa wurde Oberlaa 1954 schließlich im Zuge einer weiteren Gebietserweiterung dem Bezirk offiziell einverleibt, welcher sich damit auf eine Gesamtfläche von 3161 Hektar ausdehnte.

Bautätigkeit Mitte des 20ten Jahrhunderts
In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wurde viel gebaut. So wurde beispielsweise eine neue Heizwerkstätte am Laaer Berg im Jahre 1961 weitgehend fertiggestellt. Ein Jahr später begann man mit dem Bau der Per-Albin-Hansson-Siedlung Nord. Der Schulpavillon in Oberlaa wurde im Jahre 1964 eröffnet, die Schwefelquelle in Oberlaa wurde am 15.12.1965 wieder erschlossen. Weitere wichtige Bauvorhaben werden im Jahr 1967 abgeschlossen, darunter auch ein wichtiger Fußgängersteg über die Triester Straße auf Höhe der Wiener Ziegelwerke sowie das Schwesternwohnheim beim Preyer´schen Kinderspital. Im selben Jahr wurden auch der südliche Ausbau des Volksparks sowie die Aufforstung am Laaer Berg fortgesetzt (rund um den Pfaffenteich). Ende 1970 wird der Rohbau eines Wasserhebewerks am Laaer Berg (Gudrunstraße) fertig.

Am 4.11.1969 werden Bezirksteile des Laaer- und des Wienerberges durch eine Autobuslinie verbunden: Die Linie 15 fährt von der Untermeidlinger Straße beim Meidlinger Südbahnhof durch die Wienerbergstraße und die Raxstraße in die Siedlung Süd-Ost.

In den Jahren 1969 bis 1972 errichtet das Kuratorium Wiener Pensionistenheime mit Hilfe der Stadt Wien das Pensionistenheim Laaer Berg in der Ada-Christen-Gasse 3. Das österreichische Gartenbaumuseum auf dem Laaer Berg wird 1977 eröffnet. Im gleichen Jahr wird auch der Wasserbehälter mit Hebewerk Unterlaa fertiggestellt. Dieser Behälter der bereits dritten Wasserleitung in Unterlaa wurde an eine Pumpstation angeschlossen, die einerseits dem Behälter Rosenhügel und andererseits dem Behälter Laaer Berg Wasser zuleitete.

Die Rohstoffsuche am Laaer Berg
Gegen Ende der siebziger Jahre hoffte man, am Laaer Berg Rohstoffe wie Erdöl und Erdgas zu finden. So begann die Österreichische Mineralölverwaltung am 13.7.1969 mit Versuchsbohrungen. Nach bereits drei ergebnislosen Monaten und einer bereits erreichten Tiefe von 2800 Metern wurden die Bohrungen jedoch wieder eingestellt.

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